Wie wirkt Einzelunterricht in Englisch?

Wie wirkt Einzelunterricht in Englisch?

Die aktuellen Untersuchungen zu diesem Thema verfolgen im Großen und Ganzen 3 Ansätze:
– Fokus auf den Englischlehrer
– Fokus auf den Lernenden
– Fokus auf die Interaktion zwischen beiden im Englischunterricht.
Außerdem muss ich leider sagen, dass die Wissenschaft noch nicht viel in diese Richtung geforscht hat. Man hat zwar erste Ideen, wie Einzelunterricht beim Erlernen der englischen Sprache funktioniert, aber noch keine klare Vorstellung.
Kurz und knapp lassen sich die Ergebnisse wie folgt umschreiben: Der Englischlehrer hat für sich allein genommen wahrscheinlich den geringsten Einfluss. Der Schüler der englischen Sprache hat auf den Lernerfolg deutlich größeren Einfluss, vor allem durch das gezielte Fragen zum Schließen von Wissenslücken. Die Art und Weise, mit der sich Lehrer und Lernender im Englischunterricht begegnen nimmt deutlich Einfluss auf die sprachlichen Fähigkeiten, hauptsächlich durch „Feedbackschleifen“ zwischen beiden, die es dem Lernenden ermöglichen, sein Englisch zu verbessern.Wie wirkt Einzelunterricht in Englisch?_01

1. Fokus auf den Englischlehrer

Schauen wir uns die Ergebnisse im Detail an. Zuerst mit Augenmerk auf den Englischlehrer. Die Wirksamkeit des Lehrers scheint bei den bisherigen Forschungsarbeiten nicht sehr groß. So konnte gezeigt werden, dass die Erklärungen, die Schülern geliefert werden, keinen großen Einfluss auf den Lernerfolg haben. Auch die Dauer der Erklärungen scheint nebensächlich. Wo ein Englischtrainer einen Unterschied machen kann, ist beim Wiederholen des bereits Gelernten. Das wirkt sich positiv aus. Forscher nehmen an, dass diese geringe Wirksamkeit durch menschliche Fehleinschätzungen zustande kommen. Dass also Lehrende vorhandenes korrektes Wissen überschätzen und fehlerhaftes Wissen unterschätzen. Es konnte allerdings auch schon nachgewiesen werden, dass Trainer und ihre Erklärungen sehr wohl einen deutlichen Effekt auf den Lernerfolg haben können, wenn sie den Lernstand der Schüler gut einschätzen können.

2. Fokus auf den Lernenden

Schon allein aus der Erfahrung in unserem Englischunterricht für Kinder kann man hier enorme Auswirkungen auf den Lernerfolg durch die Schüler feststellen. Kinder sind noch unverblümt und herzerfrischend ehrlich. Man merkt ihnen also sofort an, wenn sie mal einen schlechten Tag haben oder zu müde sind. Das merkt man umgehend eine Englischstunde später, wenn es an die Wiederholungsübungen geht und zwar unabhängig vom sonstigen Leistungsniveau unserer Englischschüler.
Was sagt nun die Wissenschaft? Forscher haben herausgefunden, dass einer der größten Erfolgsfaktoren im Englischunterricht, die Selbstüberwachung des Lernfortschritts durch die Schüler ist. Vor allem im Zusammenhang mit dem Stellen von Fragen erzielen Lernende den größten Effekt. Es ist eine metakognitive („über das Denken denkend“) Tätigkeit, die bestens dafür geeignet ist, Wissenslücken ausfindig zu machen, Informationen zu verknüpfen und dadurch neues Wissen (z.B: englische Aussprache, Worte oder Grammatikregeln) aufzubauen.

3. Fokus auf die Interaktion im Englischunterricht

Diese letzte Perspektive auf das Englisch Lernen hat seinen Ursprung in dem Gedanken, dass es nicht ausreicht, nur den Trainer oder nur den Schüler zu beobachten. Es ist entscheidend, was zwischen beiden passiert. Im Allgemeinen geht man von folgendem Modell für den Lernprozess im Einzelunterricht aus:Wie wirkt Einzelunterricht in Englisch?_02
a) Lehrer stellt ein Problem in den Raum
b) Lernender versucht es zu lösen
c) Trainer gibt Feedback über die Richtigkeit
d) beide versuchen gemeinsam, das Ergebnis zu verbessern
e) Überprüfung des Verstehens
Vor allem die beiden letzten Schritte unterscheiden den Einzelunterricht in Englisch deutlich vom Gruppenunterricht in großen Gruppen (ab 10 Personen). Die Forschung sieht hier die größte Wirksamkeit für den Lernerfolg. Während man im Individuellen Sprachtraining sich fast ausschließlich diesen Schritten zuwenden kann, kommt man zum Beispiel in der Englischstunde in einer normalen Schule im Regelfall nur bis zum Schritt c).
Die positiven Effekte des Dialogs in Trainingssituationen wurden deutlich häufiger untersucht und gelten als belegt.

Fazit

Englisch im Einzelunterricht ist wirksam und, ausgehend von den Forschungsergebnissen zum Thema, wirksamer als Anleitung in großen Gruppen. Es gibt sogar Wissenschaftler, die den Einzelunterricht als „deutlich überlegen“ bezeichnen.
Aus der praktischen Erfahrung heraus möchte ich noch anmerken, dass die Vorteile des Einzelunterrichts in Englisch auch in kleine Gruppen übertragen werden können. Sicherlich nicht mit dem möglichen Fokus eines Einzeltrainings, aber dennoch mit genug Effekt, um auch die Vorteile des Lernens in Gruppen zu aktivieren.
Trotzdem muss auch ich sagen: „Hinsichtlich des Lernerfolgs in einer einzelnen (!) Englischstunde geht absolut nichts über eine hochgradig dialoggesteuertes Einzeltraining, in der Lernender und Sprachtrainer beide das Gefühl haben im Flow zu sein!“

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