The English Speaking Area – Englisch lernen in Bielefeld

Geduld und Uncoolness beim Englisch Lernen

Geduld und Uncoolness beim Englisch Lernen

Im Jahr 2015 lernten wir Leni und ihre Mutter Melanie (Anm.: Name geändert) kennen. Leni war damals 8 und Melanie haben wir aus Höflichkeit nicht gefragt :-). Sie kamen in unsere Sprachschule, „um mal zu gucken, wie das ist, mit dem Englisch Lernen“. Melanie hatte die Hoffnung, dass ihre Tochter es gefallen würde. Sie hatte extra nach Englischunterricht gesucht, der keine klassische Nachhilfe ist. Leni war nicht überzeugt. Sie verlangte vor unseren Augen, dass ihre Mutter niemandem erzählt, dass sie zu uns kommt. Sie wollte nicht, dass jemand denkt, sie bräuchte Hilfe. Man muss dazu sagen, dass Leni in der Schule einen gesunden Ehrgeiz an den Tag legte. Man kann also sagen, dass wir zwei Aufträge hatten: 1. Englisch beibringen und 2. nicht uncool sein. Melanie machte dabei klar, dass die endgültige Entscheidung, ob wir zusammenkommen, bei Leni lag.Geduld und Uncoolness beim Englisch Lernen

Nach den ersten zwei Wochen entschied sich Leni für unsere Art des Englischunterrichts. Wir glauben, sie hatte das Gefühl, dass wir es ernst meinten, wenn wir sagen, dass wir keine Nachhilfe bieten. Wir machten ihr jedoch auch klar, dass es Geduld braucht, bis man Englisch spricht und versteht. Die Ansage an ihre Mutter, niemanden davon zu erzählen blieb jedoch.
Nach ungefähr einem halben Jahr kamen Leni und Melanie zu uns und fragten, ob noch ein weiteres Kind in die kleine Gruppe kommen durfte. Es ging um Felix (Anm.: Name geändert). Er war ein Freund und Mitschüler. Felix hatte mitbekommen, das Leni dienstags nie Zeit hatte. Er fragte sie mehrere Male, wo sie denn ist, bekam jedoch keine zufrieden stellende Antwort. Irgendwann wurde er Leni gegenüber richtig ernst und erfuhr, dass sie zum Englisch ging. Und natürlich, dass es keine Nachhilfe war, „sondern richtig die Sprache lernen“! 🙂 Felix kam also auch zu uns.

Beide blühten auf in ihrer Gruppe. Sie kamen im Regelfall überpünktlich zum Unterricht und wollten immer gleich loslegen. Sie wurden häufig gemeinsam gebracht und abgeholt und versuchten, sich gegenseitig zu beweisen, wer mehr Englisch wusste. Sie entwickelten diese Geduld, die man braucht, um nicht frustiert zu werden. Sie wollten jede Woche etwas neues aus der englischen Sprache lernen. Beide wurden auch sehr gut in der Schule und genossen natürlich den Vorsprung, den sie im Englischunterricht hatten. Dann setzte Ende 2015 eine Phase ein, in der Felix nicht mehr so oft da war.

Geduld und Uncoolness beim Englisch LernenNach ungefähr drei Monaten schien alles wieder zu laufen. Durch Zufall ergab sich ein Gespräch mit Melanie, in dem wir erfuhren, dass Felix‘ Mutter es aus beruflichen Gründen nicht geschafft hat, ihn zu unserer Sprachschule zu bringen. Die Zeit für seinen Englischunterricht lag sogar so ungünstig, dass sie über eine andere Schule nachdachte. Felix war kategorisch dagegen. Er wollte auf jeden Fall Englisch mit Leni und bei uns. Es war einfach nicht möglich für seine Mutter. Sie hatte innerlich schon entschieden, dass es dann gar kein Englisch mehr geben kann…

In dieser Zeit telefonierten beide Mütter miteinander und Melanie hörte die Verzweiflung, seinem Kind das bieten zu wollen, was es will, aber organisatorisch keine Chance zu haben. Da sagte Melanie: „Wir können ihn doch immer mitnehmen.“ Felix‘ Mutter war nach ein paar Mal Nein-das-geht-doch-nicht soweit und willigte ein.
Wir erfuhren außerdem, das sowohl Felix als auch Leni mit Engelsgeduld auf ihre Eltern eingewirkt haben. Eine Geduld, die sie interessanterweise auch im Englischunterricht zeigen und die sie bisher weit gebracht hatte.
Mittlerweile haben beide die Scheu davor abgelegt, anderen von uns zu erzählen. Allerdings erzählen sie trotzdem nichts, da ja dann andere Kinder auch besser werden und sie nicht mehr die besten im Englischunterricht in der Schule sind…

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